Uhren als DNA unserer Marke Porsche Design

Das Studio F. A. Porsche ist bekannt für seine starke Designhaltung. Wie spiegeln sich die gestalterischen Ideen, die auf den Gründer Ferdinand Alexander Porsche zurückgehen, mit Blick auf die Sport Chrono Subsecond Titanium & Black wider?

Das gestalterische Erbe von F. A. Porsche zu bewahren und weiterzuentwickeln ist uns sehr wichtig, es bildet die gedankliche Grundlage unseres gestalterischen Handelns. Die Überzeugung, dass die Funktion eines Produktes sets im Mittelpunkt steht und durch Reduktion und Fokussierung auf dessen Wesen zentraler Punkt der Gestaltung ist, erscheint heute aktueller und notwendiger denn je. Vor allem anderen hat eine Uhr zuerst einmal eines zu sein: präzise in der Zeitmessung, unmissverständlich in der Ablesbarkeit und ergonomisch im Gebrauch. Deshalb folgt die Sport Chrono Subsecond eben diesem Ansatz, der sich in einer puristischen aber nicht banalen, funktionalen aber nicht emotionslosen Anmutung materialisiert. Die einzigartige und klare Linienführung des Titangehäuses sowie die eindeutige Strukturierung des Zifferblattes sind hierfür gute Beispiele und gehen zurück auf die Ideen von F. A. Porsche, der diese einst so formulierte: „Wenn man die Funktion einer Sache überdenkt, ergibt sich die Form manchmal wie von allein.“

Die Sport Chrono Subsecond folgt diesem Zitat und unterliegt einem Aufbau, der sich nach der Priorität der zu ablesenden Informationen hierarchisch und funktional gliedert. Die Stundenindizes sind großflächig und rechteckig gestaltet. Sie nehmen  Bezug auf die breite, rechteckig ausgelegte Superluminova-Leuchtmasse des Stundenzeigers und stellen so eine formale Verbindung von Index und Zeiger her. Dadurch ist eine der Hauptinformationen – die Stunde – schnell und intuitiv, fast schon unterbewusst ablesbar und man kann sich auf die häufig sogar noch entscheidendere Information vorbereiten: die Minute. Da sich der Minutenzeiger oberhalb des Stundenzeigers und damit höher vom Zifferblatt entfernt befindet, sind die Minutenindizes am oberen Rand einer Fase angeordnet, um so möglichst dicht unterhalb des Minutenzeigers zu verlaufen. Diese Positionierung ermöglicht die Vermeidung von Parallaxe und damit eine möglichst exakte Ablesbarkeit der aktuellen Minute. Die laufende Sekunde ist auf 6 Uhr positioniert, bildet dadurch ein optisch harmonisches Gegenüber zu den Schriftzügen auf 12 Uhr und erzeugt zusammen mit der Datumsanzeige auf 3 Uhr ein symmetrisches Gesamtbild. Die Ideen von F. A. Porsche finden sich praktisch in all diesen Gestaltungsmerkmalen wieder.

Mehr und mehr Marken besitzen oder entwickeln unter hohem Aufwand eigene Chronographen-Kaliber. Wo sehen Sie die Gründe für diese Entwicklung? Welche Gründe haben für Porsche Design eine Rolle gespielt?

Hier muss man sicherlich berücksichtigen, dass sich viele Marken unter dem Dach großer Gruppen befinden und somit Werksentwicklungen nicht nur für eine Marke, sondern gleich mehrere verwendet werden können. Dies macht die Entwicklung natürlich deutlich rentabler (ähnlich dem Plattform-Konzept im Automobilbau). Dadurch ergibt sich auch für viele Marken erst jetzt die Möglichkeit eigene Werke anzubieten und natürlich spielt hier auch immer das Streben nach neuen Bestmarken und Komplikationen eine große Rolle. Ob diese dann immer auch einen spürbaren Nutzen für den Konsumenten mit sich bringen, sei mal dahingestellt. Aus Liebhabersicht ist aber faszinierend was mittlerweile alles möglich und machbar ist. Für uns stand in erster Linie die Qualität unserer Uhren im Mittelpunkt und hier steht das Uhrwerk natürlich im Zentrum. Daher war es nur konsequent eigene Werke zu entwickeln, um so den gesamten Produktionsprozess kontrollieren und Porsche Qualität sicherstellen zu können. Zudem wollten wir von uns definierte Werk-Kriterien umsetzen: so sind beispielsweise alle unsere Porsche Design Kaliber von der COSC offiziell zertifizierte Chronometer.

Zu Beginn der 1970er Jahre wurden die Hersteller mechanischer Uhren durch die damals neuartigen elektronischen Uhren mit Quarztechnologie herausgefordert und erlebten erst ab Mitte der 1980er Jahre eine Renaissance. Seit einigen Jahren werden die Hersteller mechanischer Uhren erneut herausgefordert. Dieses Mal durch die Entwicklung der Smartwatches mit ihren Sensoren, Apps und ihrer Konnektivität. Wie schätzen Sie die Marktentwicklung von mechanischen Uhren und Smartwatches ein? Nimmt diese Entwicklung Einfluss auf die Gestaltung von Porsche Design Uhren? Oder betrifft Porsche Design dieses Thema im Wesentlichen nicht?

Die letzten Jahre haben gezeigt, dass das Aufkommen der Smartwatches zumindest bisher keinen dramatisch negativen Einfluss auf hochwertige Armbanduhren hatte. Im Gegenteil: die Smartwatch dient vielen Liebhabern mechanischer Uhren als Ergänzung zur ihrer Luxusuhr, weniger als Ersatz für diese. Wie sich das aber künftig vor allem auch durch die Corona-bedingte, möglicherweise veränderte Lebensweise entwickeln wird, ist noch nicht abzusehen. Wenn das Leben weniger im physischen sozialen Austausch – sei es im Büro oder auf Events – stattfinden wird, werden vermutlich auch Statussymbole wie hochwertige Armbanduhren, weniger begehrt. Da mechanische Uhren und Smartwatches aber grundsätzlich unterschiedliche Funktionen haben und dies nicht nur im technologischen, sondern auch im sozialen Sinne, werden sie nebeneinander co-existieren können. Ich gehe daher davon aus, dass sich zukünftig noch mehr Menschen für hochwertige mechanische Uhren begeistern, im Alltag oder speziell beim Sport dann aber auf die Smartwatch zurückgreifen. Bei der Gestaltung mechanischer Uhren ist speziell seit dem Aufkommen der Smartwatches aber sicherlich der Trend zu beobachten, dass die Mechanik – beispielsweise über skelettierte Zifferblätter, transparente Gehäuse und Glasböden –  häufig sichtbarer und erlebbarer in Szene gesetzt wird. Das Aufkommen der Smartwatches hat für Porsche Design in Bezug auf die Gestaltung mechanischer Uhren keinen Einfluss, Porsche Design bietet zusammen mit dem Technologiepartner Huawei eine reine Smartwatch an.

Von Ferdinand Porsche stammt der Satz: „Das letzte Auto, das gebaut werden wird, wird ein Sportwagen sein.“ Lässt sich diese Aussage auch auf luxuriöse Armbanduhren übertragen?

Ich denke, diese Aussage ließe sich auf hochwertige Armbanduhren in der Tat in etwa so übertragen: „Die letzte Uhr, die gebaut werden wird, wird eine mechanische Uhr sein.“ Die Begehrlichkeit luxuriöser, mechanischer Armbanduhren ist heute gerade wegen der zunehmenden Digitalisierung eher noch gestiegen. Menschen aller Altersgruppen sind fasziniert von einer Technik, die trotz ihrer komplexen Mechanik reparierbar ist und somit prinzipiell ewig funktionieren kann.

Wir freuen uns über die Auszeichnung des Red Dot Design Award: Product Design für die Sport Chrono Subsecond von Porsche Design 2021.

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